Musikah-Voting: 5) In Gottes Namen

#1 von Musikah , 12.02.2019 20:24

Alligatoah - In Gottes Namen

Zitat
"Rappers.in war auf jeden Fall ein krasser Schritt für mich, weil ich zum ersten Mal eine physische, kaufbare CD veröffentlicht habe. Die zu kaufen, war zwar auch nur im Internet bestellbar, aber immerhin anfassbar (...) Deswegen war das ein krasser Schritt nach vorne, gar nichtmal jetzt, weil ich jetzt auf einmal ein bisschen Geld verdient habe mit der Musik, sondern weil ich in ein ganz anderes Level aufgestiegen bin, ein Level, wo man gleich viel ernster genommen wird."*

"In Gottes Namen". Das zweite Studioalbum Alligatoahs, einhergehend mit dem ersten Liveauftritt Alligatoahs in Moers, stellt die Rappers.in-Schaffenszeit eine Epoche des Alligatoahwerkes dar, die in vielerlei Hinsicht wegweisend für seine spätere Karriere war. Alligatoah konnte sich als Zugpferd einer aufstrebenden Internetpräsenz beweisen, die sich nur so kurz als Independentlabel versuchte, wie Alligatoah eben seine Treue zu dieser hielt. Rappers.in als Label stand und fiel mit Alligatoah, welcher sich in dieser Zeit der frisch erlangten Volljährigkeit und Geschäftsfähigkeit professionalisieren und den Wegweiser für eine große Internetfanschaft pflanzen konnte. Beachtlich: "In Gottes Namen" ist die konsequente Weiterführung, in mancher Hinsicht Vollendung des initialen Alligatoah-Stils. Huldigung und Abschluss seines Frühwerkes zugleich und bis heute eines der rotfädigsten Deutschrapalben aller Zeiten.

Auch wenn Alligatoah immer wieder auf sein Terroristenimage in späteren Werken zurückgriff, kann man "In Gottes Namen" als Abschluss seiner Terroristenepoche betrachten. Nicht zuletzt, lässt Alligatoah seinen Alter Ego Kaliba 69 am Ende des Werkes sterben, DJ Deagle schickte er schon ein Werk zuvor in "Goldfieber" in die ewigen Jagdgründe. Der rote Faden, der schon "ATTNTAAT" durchzog, wird hier noch in leuchtenderes Rot getunkt und stellt die zentrale Herausforderung des zweiten Albums dar. Auch wenn Alligatoah nicht ganz gelingt, ein komplett erzählerisch-stringentes Werk zu erzählen, ist dessen Kohärenz doch beachtlich. Ein paar Ausflüchte in unterroristische Schauspielgefilde ("Raubkopierah", "Reallife 1.6" (feat. Prayamond)")" und das sträftliche Nichtnutzen des narrativen Potenzials der obligatorischen Minitracktrilogie ("Ich Kann Am Besten"), verfolgen wir den tollpatschigen Terroristen Kaliba 69 immer an seiner vokalischen Schulter klebend, erleben ihn in der Rechtfertigung seiner Ideologie ("In Gottes Namen" etc.), in Auslebung seiner Identifikationsprobleme ("Der einzig(st)e Terrorist Im Dorf") oder blicken sogar zurück in seine biografischen Hintergründe ("Teufelskreis"). Die Figur Kaliba 69 bleibt dabei immer auf eine recht simple Botschaft von "In Gottes Namen" abzielend charakterisiert: Fundamentalismus ist böse und wahrlich lächerlich.

Intentional stellt das Album also bei weitem keine völlig ausdifferenzierte Betrachtung des Terrorismus' im Bezug auf Religionen dar, konnte man das aber von einem soeben 18-jährigen erwarten? Sowieso nicht. "In Gottes Namen" ist zwar in seiner Aussage recht simpel, betrachtet die Problematik aber auf unzählige humorvolle Perspektiven und — beachtlicherweise stellt das Album fundamentalistische Religion ansich an den Pranger. Nie erwähnt Alligatoah, dass eine bestimmte Religion, etwa der Islam schuld seien. Auch wenn er mit Motiven des Islams spielt, verkommt die Aussage nie zur Anti-Islamismus-Plattitüde. Und DAS ist eine fantastische Leistung, die dann mit dem vielleicht besten Track "Mein Gott Hat Den Längsten" nochmal unterstrichen wird. Dieser zeigt: Fundamentalismus ist schuld, unabhängig von der Konfession. Und auch, wenn in diesem Track mehr als deutlich wird, welche drei Religionen dort genau durch den Kakao gezogen werden: Namen der jeweiligen Religionen werden dennoch nicht genannt. Elegant, elegant. Auch kann man gar die Form der antiken Tragödie auf das Werk beziehen, auch wenn Exposition und steigende Handlung den Großteil des Albums ausmachen und Höhepunkt, retardierendes Moment und Katastrophe in die letzten drei Tracks gepresst wurde. Hier wäre vielleicht weniger mehr gewesen, denn im Nachhinein schwimmen die Tracks, die sich thematisch dem Grundkonzept nicht anpassen können, ein wenig teilnahmslos am roten Faden vorbei.

Was dem Album zudem ein bisschen abgeht, ist der Wiederhörwert. Den Pointen und Narrationen werden zu oft Hooks geopfert, ab und an treten auch wirklich — für heutige Alligatoahverhältnisse — beschämende Features auf, die den Autor dieser Zeilen damals sogar dazu veranlassten, sich bei Alligatoah persönlich bei ICQ zu beschweren, warum Alligatoah nicht auf Rapper aus der hauseigenen Alligatoahforumaudiozone zurückgriff und stattdessen diese Künstler auf das zweite Album ließ, die qualitativ stark vom Albumhausherren abfallen. So ist "In Gottes Namen" insgesamt eine konsequente Umsetzung einer Fundametalismusabrechnung, die gekonnt sich auftuenden Fettnäpfchen ausweicht, aber hier und da mit edlen Hooks und besseren Features ein noch größeres Meisterwerk hätte werden können.

*Aus "Namen Machen - Generation Der Internetrapper (Niklas Pollmann)"



Machen wir’s nicht so spannend, der Gewinner ist bereits zu erahnen.

Doch kann “Mein Gott hat den Längsten” nicht nur den Sieg, sondern auch seine hohe Wertung halten? Letztes Mal erreichte er fantastische 9,111 Punkte.

Kann er! Er zieht mit einer glatten 9 an allen bisherigen Tracks vorbei und wird sich auf jeden Fall in der Top 10, wenn nicht sogar Top 5 platzieren können.


Platz 18: Totgeschwiegen (4,5764)
Platz 17: Reallife 1.6 (feat. Prayamond) (4,7986)
Platz 16: Der einzigste Terrorist im Dorf (feat. Mighty Morris) (4,8819)
Platz 15: Eine Welt (feat. Philliz) (5,2986)
Platz 14: Helden… (Intro) (5,5833)
Platz 13: Ich kann am besten II (5,8819)
Platz 12: Ich kann am besten III (5,9375)
Platz 11: Ich kann am besten I (6,0556)
Platz 10: Es gibt einen Ort (6,8194)
Platz 8: Im Namen des Gesetzes (feat. Tobi-Tait & Selbstjustizz) und In Gottes Namen (6,8819)
Platz 7: Dagegen (6,9375)
Platz 6: ...tod (Outro) (7,2361)
Platz 5: Zwei Missionare (feat. Snew) (7,2569)
Platz 4: Raubkopierah (7,9375)
Platz 3: Teufelskreis (8,0000)
Platz 2: Sprenggürtel (8,1806)
Platz 1: Mein Gott hat den Längsten (9,0000)

Insgesamt wurden durchschnittlich 6,5637 Punkte vergeben.



Loeffeluri, der sich ja bereits im Vorfeld als großer Fan des Albums zeigte. Er vergab 7,3333 Punkten im Durchschnitt


schon wieder nowthisisalligatoah mit 4,2083 Punkten als Durchschnittsbewertung



Alles in allem keine großen Überraschungen dabei. Dass sich auf den oberen Plätzen die Musikvideo-Tracks “Mein Gott hat den Längsten”, “Teufelskreis” und “Raubkopierah” sowie der letzte große Terroristen-Song “Sprenggürtel und der einzig gute Feature-Track “Zwei Missionare” breit machen, war ja schon zu erwarten. Das Instrumental “Totgeschwiegen” muss sich (wie auch beim letzten Mal) als Schlusslicht einreihen, zu ihm gesellen sich die wacken Feature-Tracks “Reallife 1.6 (feat. Prayamond)”, “Der einzigste Terrorist im Dorf (feat. Mighty Morris)” sowie “Eine Welt (feat. Philliz)”.

Krass dass die eingängige Internetpiraterie-Hymne “Raubkopierah” im Vergleich zum letzten Voting soviel einbüßen muss. Stärker trifft es nur noch “Dagegen” und “Reallife 1.6 (feat. Prayamond)”. Den höchsten Zuspruch im Vergleich zum letzten Voting haben übrigens die “Ich kann am besten” Trilogie sowie “Teufelskreis” bekomme.

Außerdem hat Bobby “Helden… (Intro)” in seinem alten Ranking vergessen.


Zitat von TERRORIST 4life im Beitrag Spontane Fragerunde
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Zitat von terroretisch im Beitrag Hilflos im Leben: Die Geschichte der Naina S.
Hier steht soo viel Unfug, ich komm nicht klar.
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RE: Musikah-Voting: 5)In Gottes Namen

#2 von T!me , 12.02.2019 20:42

Nowthisisalligatoahs Durchschnittswertung ist aber 5,5!

Insgesamt ein ziemlich gutes Ranking, auch wenn „Im Namen des Gesetzes“ zu schlecht abschneidet.

Wer hat denn bisher die meisten 10nen, 9nen, 1en und 2en vergeben?


nowthisisalligatoah findet das supergeil!
 
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RE: Musikah-Voting: 5)In Gottes Namen

#3 von Musikah , 12.02.2019 20:53

Oh shit, die Flüchtigkeitsfehler häufen sich. Tut mir leid. Aber deswegen ist ja die Tabelle auch immer verlinkt.

Keinen Plan, hab nur ne Gesamtübersicht wer welche Wertung wie oft abgegeben hat, aber die gibt's halt erst am Ende.


Zitat von TERRORIST 4life im Beitrag Spontane Fragerunde
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Zitat von terroretisch im Beitrag Hilflos im Leben: Die Geschichte der Naina S.
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RE: Musikah-Voting: 5)In Gottes Namen

#4 von Loeffeluri , 12.02.2019 23:05

Mit der Bewertung geh ich wieder d'accord.

Hier sieht man doch relativ gut, dass sich sein Schaffen durch seine Zugewinnung an Qualität in der Bewertung auch relativiert.

Für mich persönlich war IGN eben dieser Breaking Point, als ich ihn ca. ein halbes Jahr kannte, alle so meinten "Ey, der Typ is ja so'n random Internet-Spast, aber ich hab das Gefühl wenn der so weiter macht, dann geht richtig was".
Dann haben wir in den ganzen Weihnachtsferien 08/09 IGN gepumpt und top abgefeiert. Weiß noch wie ich das Outro damals nem Kumpel der unbedingt Klavier lernen wollte mühsam zu spielen beigebracht hab .

Viele Songs auf IGN sind so 7er-8er und das Voting repräsentiert das ja auch gebührend.

Einzig MghdL ist ein unbestrittener Klassiker mit zeitloser Relevanz und hat außerhalb der Top5/10 von seinem Gesamtwerk wirklich nichts zu suchen. Da wär ich pissed gewesen wenn der Track bei ner mittleren 8.x rumgedurdelt wäre .


Zitat von Timigatoah im Beitrag 17. Trostpreis (feat. Pimpulsiv)
Zitat von Loeffeluri im Beitrag 17. Trostpreis (feat. Pimpulsiv)
Ich habs länger versucht, aber jetzt doch festgestellt: Der Toaster ist intelligenter als @Timigatoah

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RE: Musikah-Voting: 5)In Gottes Namen

#5 von nowthisisalligatoah , 12.02.2019 23:34

Danke T!me, ich wollt's auch gerade schreiben. Hatte mich schon stark über die 4,2 gewundert, die da im Spoiler angegeben ist. Ich mag IGN insgesamt nämlich ganz gerne.


 
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RE: Musikah-Voting: 5)In Gottes Namen

#6 von Loeffeluri , 13.02.2019 10:44

Wenn du für stabiles Zeug wie die Trilogie 4 Punkte nausschmaßt kann das natürlich nix werden mit der Abgabe der Punktelaterne .

Lustigerweise merkt man auch, dass Elze konstant eine Nulltoleranzpolitik gegenüber Cringe fährt. Reallife 1.6 und DeTiD kriegen die volle Breitseite, letzterer vermute ich mal wegen des konstant neben dem Beat rappenden Features? Dank des Kalli-Parts konnte ich damals wenigstens das Wort "scheißen" ordentlich konjugieren .

Wegen Raubkopierah: Ich glaube dass der Song auch ein bisschen durch seinen sehr starken Popkultur-Bezug (ähnlich wie STRW II im Generellen) gelitten hat. Ich würde fast mutmaßen, das junge Publikum von heute kennt das Setting überhaupt nicht mehr, über das Kaliba als "Internetpirat" hier rappt. ICQ, gecrackte Spielepatches, "Funny Clips", Videotheken und eben diese DIY-Internetkultur vor Facebook, da hat sich zu viel verändert um das jetzt wirklich tagesaktuell noch abzufeiern. Da wird dann halt die 7 oder 6 gezückt - ein guter Track ist es zweiffelos - anstatt der "sonst fälligen" 8 oder 9. Verwundert mich jetzt nicht wirklich .


Zitat von Timigatoah im Beitrag 17. Trostpreis (feat. Pimpulsiv)
Zitat von Loeffeluri im Beitrag 17. Trostpreis (feat. Pimpulsiv)
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RE: Musikah-Voting: 5)In Gottes Namen

#7 von ElZee , 13.02.2019 11:00

Reallife 1.6 ist halt konzeptuell sowas, was ein paar Jahre später genauso von den frühen deutschen Youtubern hätte kommen können. Ytitty oder so. Mit FPS-Video. 2008 wars sicherlich noch nicht so abgegriffen (Youtuber waren halt noch nicht wirklich n Ding), aber heute geht das nicht mehr klar.


Zitat von Gnauf im Beitrag K.I.Z.
Wisst ihr, was eins der verlässlichsten Dinge überhaupt ist?

Immer, wenn ich zu absolut abstrusen Uhrzeiten durchs Forum gucke, ist ElZee online.


 
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RE: Musikah-Voting: 5)In Gottes Namen

#8 von Loeffeluri , 13.02.2019 11:50

Stimmt. Ich sag ja, viel von seinem Internethumor ist halt so aus der Pre-Smartphone-Zeit, das merkt man schon. Ich war ja selbst überrascht wie schnell das alles ging zu der Zeit. Dieser rapide popkulturelle Wandel passt sogar zu seinem Wandel 2009-->2013.

Bei "Dagegen" bin ich interessanterweise nicht über den großen Punkteverlust an sich überrascht, sondern die extrem hohe Wertung von 7.8 im alten Voting. Ich hab bei vielen Tracks mit ca. 1 weniger gerechnet als ich denen geben würde. Gut ist der Track schon, aber bei 7.8 fängt es ja schon mit Live-Staples, Top-Nummern und der absoluten Creme der Kalli-Tracks an. Und bis auf den deliziösen letzten Part ist der Track ja nicht SO überragend. Die 7.0 passt da ganz gut.


Zitat von Timigatoah im Beitrag 17. Trostpreis (feat. Pimpulsiv)
Zitat von Loeffeluri im Beitrag 17. Trostpreis (feat. Pimpulsiv)
Ich habs länger versucht, aber jetzt doch festgestellt: Der Toaster ist intelligenter als @Timigatoah

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