Neuvorstellung

#1 von WindomEarle , 28.07.2022 10:29

Hallo, ich möchte mich als Neuling im Forum vorstellen. Ich lese hier seit Ewigkeiten mit und bemerke, dass das Forum deutlich stiller geworden ist, weil vermutlich die Leute, die Alligatoah hören, zusammen mit dem Künstler alt werden und...naja, da das auch für mich gilt, wollte ich jetzt meinen Senf dazu geben.

Zu meiner Person: Ich bin Ende 30, Familienvater, mein Name kommt - mancher wird es ahnen - von einem Charakter aus der Serie Twin Peaks.

Ich habe erstaunlicherweise eine ähnliche musikalische Sozialisierung genossen wie Alligatoah neulich über sich im Homegirls-Podcast preisgab: Ich habe auch Instrumente spielen gelernt als Kind, Klavier und Gitarre, allerdings wurde aus mir niemals etwas, weil ich irgendwann in der Pubertät einfach damit aufhörte. Musikalisch fing ich erst Ende der Neunziger an, sowas wie einen eigenen Geschmack zu entwickeln, und es zog mich zu Rock und Rap hin. Also klar, dass ich Nu Metal hören musste und vielleicht noch die Bloodhound Gang. Daneben hatte ich so ein paar Kifferfreunde, also war das ganze Eimsbush-Zeug auch dabei. Danach bin ich allerdings, als Nu Metal peinlich wurde (etwa ein Jahr nach seinem Erscheinen auf der Bildfläche), scharf in den Rock-Bereich abgebogen, habe mir das ganze Grunge-Zeug, was ich altersbedingt verpasst habe, gegeben, Oasis und Metallica, und dann, als ich wie meine Freunde oder Alligatoah eigentlich ein Metalhead hätte werden müssen...hab ich mir das ganze Indie-Zeug der Generation of '06 geballert (ich baller...). Dadurch habe ich beim Hip-Hop dann auch die Phase verpasst, als er wirklich asi wurde (auch das holte ich später nach), Aggro oder KKS liefen völlig vorbei. Das änderte sich erst später wieder, im Studium fing ich an, K.I.Z. und auch Kollegah (ja, ich weiß) zu hören, und irgendwie merkte ich, ich muss Gitarrenmusik und Hip-Hop gar nicht kombinieren, das kann auch nebenher laufen. Tut es bis heute, aber Metal interessiert mich immer noch nicht. Ich höre dann eher sowas wie Arcade Fire.

Das erste, was ich von Alligatoah gesehen habe, war seine Hook im VBT-Halbfinale von Weekend. Ich war damals zwar streng genommen schon Ende 20, aber fürs VBT war ich nicht zu alt, das fand ich schon in den frühen Auflagen geil und beim Peak erst Recht. Dann sah ich die Kunst des Bitens und dann war ich hooked, wobei ich manche alten Sachen dann doch oft zu albern und zu schlecht produziert fand. Aber wie der textete und wie sauber!... Just zu dieser Zeit kam dann aber auch schon Triebwerke und dann war der Hype sowieso da. Bei mir auch, aber als dann alle um mich rum anfingen, "Willst du?" zu singen, hab ich beschlossen, dass ich wieder mehr "Meine Band" höre.

Nunja, dann muss ich streng genommen sagen, bin ich nicht der Typ Fanboy. Auch nicht bei Alligatoah. Ich höre leidenschaftlich gerne Musik, ich bin auch immer neugierig, etwas über die Künstler zu erfahren (z.B. auch bei interessanten und mediengewandten Künstlern wie Die Ärzte), ich besuche ganz gerne mal ein Konzert, aber ich tauge nicht dazu, dem Artist mit glühenden Augen durchs Land nachzutouren oder seinen Merch zu kaufen. Nicht mein Ding. Entsprechend habe ich mich schleichend ab MikL von Alligatoah entfremdet. Das lag auch daran, dass ich dann über 30 war und das Klischee, dass man für neue Musik weniger Zeit und Aufnahmefähigkeit hat, absolut zutreffend ist. Aber es war auch musikalisch begründet. Irgendwann kann man alle Pointen der älteren Sachen mitrappen und dann stellt man fest (ich zumindest), dass die neuen Sachen, die sich fast schon "sketchartig" ein Thema vornehmen, irgendwie etwas Uncooles haben. Es ist ähnlich wie bei South Park, die Köpfe dahinter sind unglaublich fähig und kreativ, aber die Art, wie sie sich einer Sache annehmen, nutzt sich einfach ab. Der Künstler wirkt sowieso sympathisch und ist hypertalentiert, aber irgendwie auch unnahbar, weil er das mit der Kunstfigur auf die Spitze treibt. Fand bei MikL den Titeltrack überkrass (bis heute), aber bei vielen Sachen hab ich mich das gefragt, was sich Freunde von mir auch gefragt haben: "Wer pumpt denn sowas Verkopftes im Auto? Da hör ich ja lieber Massiv!" (;)). Aufgeschreckt wurde ich erst Jahre später durch "Wie Zuhause", und da war ich nicht der einzige (ein Freund, der auch Triebwerke gefeiert hatte schrieb mir sowas wie: "hätte nicht gedacht, dass er solche Songs noch intus hat"). StRw V gefiel mir aber nicht so richtig, bis heute skippe ich es sehr viel, finde es teils cringy. Dachte dann eigentlich, das wars, die neuen Releases gefielen mir allesamt nicht so richtig.

Hab dann auch erst vor Wochen mitbekommen, dass da ein neues Album ist, hatte nur ein paar Releases verfolgt, weil der YouTube-Algorithmus sie mir zuverlässig in die Timeline spült. Ja, und dann ist etwas passiert. Ich hab das Album gehört, was ich eh halb kannte, fand es anfangs so "meh", hab es noch mal gehört und irgendwie konnte ich zu etlichen Songs "relaten", wie man so schön sagt, also wirklich eine Beziehung aufbauen zu dem, was dort erzählt wird. Das ist mir bei Musik nur sehr selten passiert bisher, obwohl ich manche Sachen musikalisch immer noch zweifelhaft finde. Und dann hab ich gedacht, dass es eigentlich keinen Künstler gibt, dessen Weg ich so kontinuierlich verfolgt habe und bei dem ich so gespannt bin, was da vom Gesamtkunstwerk noch folgen wird, da kann ich mich auch mal im Forum anmelden.

Lieblingstracks von Alligatoah sind bei mir ultra-konventionell vermutlich MiKL und Wie Zuhause. Ich mag auch immer noch Wer Weiß sehr gerne und Teufelskreis. Und ich muss sagen, er hat seinen absoluten Peak an melodiösen Killer-Refrains leider den Trailerpark-Boys für CSB II (mochte ich auch) gegeben. Trailerpark mochte ich eigentlich auch mal, aber sie haben am Ende nur noch Scheiße gemacht und bei Basti DNP erkennt man sehr gut, dass die unsympathische Kunstfigur nicht so besonders weit von der Person dahinter entfernt ist. Ich glaube generell, dass das auch bei Alligatoah weniger der Fall ist, als er es vorgibt (man sieht es auch in seiner Diskographie) aber ich kenne ihn natürlich nicht persönlich.

Fin.



Folgende Mitglieder finden das supergeil: Loeffeluri, Bobby Stankovic, nowthisisalligatoah, AnnoyingFlo und Reyny Rey
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RE: Neuvorstellung

#2 von JoJo98 , 28.07.2022 11:38

Herzlich willkommen hier in unserer illustren Runde


Zitat von ElZee im Beitrag Stimmungsthread #11
Es muss so unchillig sein, Jojo zu sein. Eieiei.


 
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RE: Neuvorstellung

#3 von Bobby Stankovic , 28.07.2022 12:59

Schöne Vorstellung, mit der ich erschreckend viel relaten kann (sehe mich noch nicht so richtig in deiner Altersgruppe )


Zitat von Gnauf im Beitrag Der "Unpopular Opinion"-Thread
Ach du liebe Güte


 
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RE: Neuvorstellung

#4 von Musikah , 28.07.2022 14:41

Hey hey, sympathische Vorstellung und mitunter spannende Takes zum Alligatoah'schen Oeuvre, eine Abwechslung zum üblichen klassischen Fan, der sich hier in seiner absoluten Hochphase anmeldet.


Zitat von Bobby Stankovic im Beitrag Like-/Dislike-Responder — Uri heult rum
Finde, ohne Wir-sind-cooler-Attitudez und Musikfaschismus wäre das Alligatoah-Forum völlig uninteressant.


AnnoyingFlo findet das supergeil!
 
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RE: Neuvorstellung

#5 von Reyny Rey , 28.07.2022 15:40

Basti DNP spielt eine Kunstfigur?

Willkommen!


Zitat von Gnauf im Beitrag Der Wetter-Thread
Sonne ist das Beste auf diesem Planeten.


 
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RE: Neuvorstellung

#6 von Bobby Stankovic , 28.07.2022 16:13

Hoffe, du fühlst dich hier auch trotz des rauheren Umgangs in den Off-Topic-Bereichen wohl

(wir werden uns natürlich nicht anpassen, halte einfach deine Kinder vom Bildschirm fern )


Zitat von Gnauf im Beitrag Der "Unpopular Opinion"-Thread
Ach du liebe Güte


WindomEarle findet das supergeil!
 
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